Reptile

Bartagame

Pogona vitticeps

🇫🇷 Pogona (Agame barbu) 🇬🇧 Central bearded dragon 🇩🇪 Bartagame

In der Regel friedfertige, neugierige Echse mit ausgeprägter Kommunikation: Kopfnicken (Head-Bobbing) beim dominanten Männchen, kreisendes Winken eines Vorderbeins (Arm-Waving) bei Weibchen oder Untergeordneten, Aufblähen des schwarzen „Barts“ bei Stress oder Imponiergehabe.

Überblick & Kennzahlen

📜
Vorschriften

Nicht CITES-gelistet

ℹ️TSchV: Mindestanforderungen für tagaktive Reptilien (UVB Pflicht, Temperaturgradient, Gehegegrössen). Bestandesbuch empfohlen; Aussetzen verboten. Gewerblicher Handel: Fachkundeanforderungen (BAFU/BLV).

Lebenserwartung

von 8 bis 10Jahre

ℹ️Median 8–10 Jahre; mit sehr guter Haltung bis 12–15 Jahre.

⚖️
Gewicht (adult)

von 300 bis 500g

ℹ️Männchen etwas schwerer; Übergewicht in Haltung häufig.

📏
Grösse (adult)

von 38 bis 60cm

ℹ️Gesamtlänge (Schnauze + Schwanz); Schwanz macht ca. 50 % der Länge aus.

🌙
Lebensweise

Halbwüsten- und halbbaumbewohnend, tagaktiv

🌡️
Körpertemperatur

Ektotherm / wechselwarm

🧬
Geschlechtsreife

von 0.5 bis 1.5Jahre

ℹ️30 cm; 6 Monate bei Männchen, 10–18 Monate bei Weibchen

🥚
Inkubation

von 21 bis 42Tage

ℹ️Inkubation 3–6 Wochen je nach Temperatur (28–30 °C).

🪹
Wurf-/Gelegegrösse

von 10 bis 40Eier

ℹ️10–40 Eier/Gelege (weichschalig); 2–7 Gelege pro Jahr.

Lebensraum & Umgebung

Art der Unterkunft

Geräumiges, trockenes Terrarium mit starker UVB-Beleuchtung. Zwei Temperaturzonen zwingend (Sonnenplatz / kühle Zone). Materialien leicht zu reinigen und wärmespeichernd (Glas, Kunststoff, Plexiglas). Beidseitige Belüftung unverzichtbar (Vorderseite + Seiten oder Rückwand).

Substrat & Einstreu

Sandmat Exoterra®, Küchen- oder Zeitungspapier. Sand und Erde vermeiden (Risiko eines Darmverschlusses).

Beleuchtung

Photoperiode : 14 Std./Tag

UVB

  • UVB-Bedarf : Lebensnotwendig
  • Lampentyp : Metallhalogenidlampe mit externem Vorschaltgerät (UVB + Wärme kombiniert)
  • Empfohlene Marken : X-ReptileReptile ExpertSolar RaptorArcadia
  • Wechselintervall : 1×/Jahr (Metallhalogenid) — klassische UV-Röhren alle 6 Monate (UVB lassen vor dem sichtbaren Licht nach)
  • UVB durchdringen weder Glas noch Plexiglas. Lampe im Terrarium platzieren, unter Schutzgitter. Direkte Sonne hinter einer Scheibe ist wirkungslos und kann gefährliche Überhitzung verursachen.
  • Für die Gesundheit dieser Reptilien sind Metallhalogendampflampen die Referenz für die UV-Versorgung: Sie liefern ein starkes UVB-Spektrum, deutlich kräftiger als Leuchtstoffröhren oder Kompaktlampen, und optimieren so die Vitamin-D-Synthese und damit die Calciumaufnahme. Sie senken das Risiko einer metabolischen Knochenerkrankung und bieten zusätzlich intensives sichtbares Licht und eine gleichmässige Wärme, die die Aktivität fördern.

Auslauf & Bewegung

Grosse Bodenfläche zum Krabbeln, Äste zum Klettern, beaufsichtigte Ausflüge ausserhalb des Terrariums in sicherer Umgebung.

Benötigte Ausstattung

  • Äste/Wurzeln zum Klettern und Sonnenbaden
  • Verstecke auf der warmen und der kühlen Seite
  • Flacher Stein unter der Lampe zur Verdauungsförderung
  • Seitliche Belüftung (Vorderseite oder Seiten)
  • Flache Wasserschale (selten genutzt)
  • Pipette/Spritze zur Tränkung 2–3×/Woche
  • Wöchentliches Bad / sanfte lauwarme Dusche

Zu vermeiden

  • ⚠️ Heizplatten im Terrarium
  • ⚠️ Heizsteine (Hot Rocks)
  • ⚠️ Heizmatten im Terrariuminneren
  • ⚠️ Lampen ohne Schutzgitter (Verbrennungsgefahr)

Technische Parameter

Wärmepunkt 35–40 °C Sonnenplatz; flacher Stein oder Ast unter der Lampe.
Kühlpunkt 20–25 °C Kühle Zone; nachts gleich (keine nächtliche Heizung).
Luftfeuchtigkeit 30–40 % Trocken; ausreichende Belüftung gegen Kondenswasser.

Ernährung

Basisfutter

Opportunistischer Allesfresser; Ernährung verändert sich mit dem Alter. Jungtiere (<5 Monate): 60–80 % Insekten. Adulte: 60–80 % Pflanzen. Schlüsselregeln: Beutegrösse ≤ Kopfbreite zwischen den Augen (Risiko von Lähmung/Verschluss); Insekten 24–48 Std. mit calciumreichem Grünfutter, Obst und Spezialpellets vorfüttern („Gut-Loading“), sonst stark verminderter Nährwert; Quellen variieren, um Vitamine und Mineralstoffe abzudecken.

🦗 Insekten

🦗 Grille — Eiweissbasis; mit Calcium bestäuben
🦗 Wanderheuschrecke — Eiweissbasis; gut akzeptiert, chitinarm
🪲 Schabe — Proteinreich, fettarm; gute Basisalternative
🐛 Seidenraupe — Sehr verdaulich, calciumreich und fettarm

🥕 Gemüse & Grünfutter

Grünfutter mit hohem Ca/P-Verhältnis und Vitamin-A-Reichtum bevorzugen. Fein hacken, Quellen variieren, Reste nach 12 Std. entfernen.

🌼 Löwenzahn Ca/P 5.2 Vit A Hervorragend (Ca/P ~5,2); vitamin-A-reich
🪴 Hauswurz Ca/P 3 Sehr gutes Ca/P-Verhältnis (~21)
🍀 Klee Ca/P 5 Gutes Ca/P-Verhältnis (~6,6)
🌿 Luzerne Ca/P 5.5 Gutes Ca/P-Verhältnis (~6,1); zu mässigen (proteinreich)
🥗 Rucola Ca/P 4 Vit A Gutes Ca/P (~4,6); vitamin-A-reich
🌿 Brunnenkresse Ca/P 3.5 Vit A Sehr vitamin-A-reich (~422 000 IE/kg TS)
🥬 Endivie Ca/P 1.8 Vit A Basis-Grünfutter, gut akzeptiert
🥬 Endivien Ca/P 2.5 Vit A Basis-Grünfutter; Bitterstoffe gut vertragen
🥬 Eskariol Ca/P 2.3 Vit A Basis-Grünfutter, Alternative zur Chicorée
🥬 Römersalat Ca/P 2 Vit A Vitamin-A-reich (~274 000 IE/kg TS)
🌿 Rübengrün Ca/P 4.5 Vit A Gutes Ca/P, abwechseln
🥬 Chinakohl Ca/P 3.5 Abwechseln, in kleinen Mengen
🌿 Petersilie Ca/P 3.3 Aromatisches Kraut, in kleinen Mengen
🌿 Basilikum Ca/P 1.2 Aromatisches Kraut, in kleinen Mengen
🥒 Zucchini Ca/P 0.7 Wasserreiches Gemüse; als Ergänzung, nicht als Basis

Fütterungsfrequenz

  • Jungtiere (<5 Monate): 3 Mahlzeiten/Tag (60–80 % Insekten); z. B. 9 Uhr: 4 Heimchen; 12 Uhr: gehacktes Gemüse; 17 Uhr: 1 Seidenraupe + 2 Heimchen
  • Heranwachsende (5–18 Monate): 1 Mahlzeit/Tag, schrittweise Umstellung zum Pflanzenanteil
  • Adulte: täglich (60–80 % Pflanzen), Insekten 2–3×/Woche
  • 1 Fastentag/Woche bei Adulten zur Vermeidung von Adipositas

Leckerli

Gelegentliche Leckerli in kleinen Mengen. Fettreiche Insekten und Mäusebabys: zu begrenzen wegen Übergewicht und Leberverfettung.

🪱 Mehlwurm Reich an Chitin und Fett; max. 1–2×/Woche
🪱 Schwarzkäferlarve Noch fetter; strikt begrenzen
🪱 Wachsmottenlarve Sehr fett; nur als gelegentliche Belohnung
🐁 Babynacktmaus Sehr kalorienreich; gelegentlich bei Adulten, nie als Basis

Wasser & Hydratation

Die Wasserschale wird selten angenommen. Lieber per Pipette tränken (Tropfen auf die Schnauze) 2–3×/Woche, ein lauwarmes Bad pro Woche (Wasser bis zur Ellbogenhöhe, ca. 20 Min.) oder Grünfutter leicht besprühen. Frisches Grünfutter deckt einen grossen Teil des Wasserbedarfs.

Vitamin A

Vitamin A unentbehrlich für Schleimhäute, Haut und Sehkraft. Natürliche Quellen bevorzugen (dunkelgrünes Blattgemüse, Brunnenkresse, Löwenzahn, Petersilie, Romana) statt Supplemente. Mangel: geschwollene Lider („Puffy Eye“), Dysekdyse, wiederkehrende Infekte.

Zu vermeiden

Giftige, stark unausgewogene oder parasitologisch riskante Futtermittel. Vollständig zu vermeiden.

  • 🥑 Avocado — Giftig (Persin); kardio- und hepatotoxisch
  • 🌿 Rhabarber — Stark oxalathaltig; nephrotoxisch
  • 🍆 Aubergine — Solanin; potenziell giftig
  • 🌼 Osterglocke — Giftig (Alkaloide)
  • 🌷 Tulpe — Giftig (Tuliposide)
  • 🌸 Azalee — Hochgiftig (Grayanotoxine)
  • Leuchtkäfer — Tödlich (Lucibufagine, schon in kleinster Menge)
  • 🐛 Raupe — Toxikologisches Risiko (Brennhaare, Alkaloide)
  • 🦋 Schmetterling — Oft giftig (Alkaloide der Wirtspflanzen)
  • 🐾 Wildgefangene Beute — Unkontrollierte Wildbeute (Parasiten, Pestizide)

Verhalten & Sozialisation

Sozialleben

Adulte Tiere sind Einzelgänger. Männchen-Männchen-Haltung verboten (Kämpfe, schwere Verletzungen). Paar 1 Männchen / 1 Weibchen: Erschöpfungsrisiko des Weibchens. 2 Weibchen oder 1 Männchen / 2 Weibchen mit vergrössertem Terrarium (+30 %), mehreren Sonnenplätzen und ständiger Beobachtung tolerierbar.

Aktivitätszyklus: Tagaktiv; maximale Aktivität mittags während des Sonnenbadens. Nachtruhe in einem Versteck oder auf einem Ast.

Beschäftigung

  • Jagd auf lebende Insekten (bewegliche Beute)
  • Vielfältige vertikale Strukturen: Äste, Wurzeln, Sonnenplätze
  • Beaufsichtigte Ausflüge ausserhalb des Terrariums in sicherer Umgebung
  • Wöchentliches Bad oder sanfte lauwarme Dusche
  • Verschiedene Grünfutter in kleinen verteilten Häufchen anbieten

Gesundheit & Vorsorge

Vorsorgemedizin

Jährliche klinische Untersuchung (Allgemeinzustand, Häutung, Maulhöhle, Abdomen, Massen), regelmässiges Wiegen (Gewichtskurve), 1× jährlich Kotuntersuchung (innere Parasiten), jährlicher UVB-Lampenwechsel, Kontrolle von Temperaturgradient und Luftfeuchte, wöchentliches Bad zur Hauthydratation.

Impfungen

Keine Routineimpfungen.

Chirurgie & Kastration

Häufige Eingriffe: Ovariohysterektomie bei Legenot (Eiretention), Exzision kutaner/abdominaler Massen, Entfernung von Fremdkörpern im Verdauungstrakt, Wunddebridement und -verschluss, partielle Schwanzamputation (Nekrose), Korrektur von Prolaps (Kloake, Hemipenis).

Klinische Warnsignale

⚠️ Anhaltende Lethargie, Liegenbleiben an der kühlen Seite
⚠️ Anorexie > 7 Tage (ausserhalb der Brumation)
⚠️ Gewichtsverlust, verdünnter Schwanz
⚠️ Kotauffälligkeiten (Durchfall, Blut, sichtbare Parasiten)
⚠️ Häutungsprobleme (Dysekdyse), an Zehen/Schwanz klebende Haut
⚠️ Knochendeformationen, weicher Kiefer, pathologische Frakturen (MBD)
⚠️ Zittern, Krämpfe (akute Hypokalzämie)
⚠️ Maulatmung ausserhalb des Sonnenbads, Nasenausfluss, Pfeifen
⚠️ Aufgetriebener Bauch, Legenot (trächtiges Weibchen legt nicht ab)
⚠️ Kloakenprolaps, nicht zurückgezogener Hemipenis
⚠️ Bräunliche/gelbliche, krustige Hautläsionen (Mykose)

Bei einem dieser Symptome ist eine rasche tierärztliche Versorgung essenziell. Kontaktieren Sie so bald wie möglich eine auf Exoten spezialisierte Tierärztin, die den Zustand Ihres Tieres beurteilen und die geeignete Diagnose stellen kann.

Häufige Erkrankungen

Metabolische Knochenkrankheit (MBD)

Ursache: UVB- und/oder Calciummangel, zu niedriges Ca/P-Verhältnis im Futter, Vitamin-D3-Mangel

Symptome: Weicher Kiefer, Knochendeformationen, spontane Frakturen, Zittern, Schwäche, Apathie

Vorbeugung: UVB 10–12 %, jährlich ersetzt, regelmässige Calciumergänzung, Grünfutter mit hohem Ca/P

Legenot / Eiretention

Ursache: Fehlender geeigneter Eiablageplatz, Hypokalzämie, zu grosse Eier, Adipositas, Dehydratation

Symptome: Trächtiges Weibchen apathisch, gespannter Bauch, ineffektive Wehen > 48 Std., Anorexie

Vorbeugung: Eiablagebehälter (feuchter Sand/Erde) ab der Geschlechtsreife, ausreichend Calcium, optimale Körperkondition, tierärztliche Überwachung

Innerer Parasitenbefall (Kokzidien, Oxyuren)

Ursache: Wiederansteckung über Kot, mangelhafte Hygiene, Stress, Überbesatz

Symptome: Durchfall, Gewichtsverlust trotz Appetit, Wachstumsverzögerung bei Jungtieren

Vorbeugung: Jährliche Kotuntersuchung, regelmässige Entfernung der Ausscheidungen, Quarantäne neuer Tiere

Atadenovirus (BDPV / Agamen-Adenovirus)

Ursache: Horizontale (Kot) und vertikale Übertragung; asymptomatische Träger häufig

Symptome: Jungtiersterblichkeit, Hepatitis, Wachstumsverzögerung, Anorexie, Parese

Vorbeugung: Quarantäne ≥ 90 Tage mit Kloaken-PCR, strenge Biosicherheit, kontaminierte Zuchten ausschliessen

Gelbpilzerkrankung (Nannizziopsis guarroi)

Ursache: Opportunistischer keratinophiler Pilz, immungeschwächte Tiere, ungeeignete Luftfeuchte

Symptome: Gelblich-bräunliche, krustige Hautflecken, tiefe Ulzerationen, Nekrose, systemische Ausbreitung

Vorbeugung: Strenge Hygiene, Quarantäne neuer Tiere, Stress- und Luftfeuchte-Management

Verbrennungen

Ursache: Heizsteine, Heizplatten/-matten im Terrarium, Lampen ohne Schutzgitter

Symptome: Scharf begrenzte ventrale/dorsale Läsionen, unvollständige Häutung im Bereich, Sekundärinfektion

Vorbeugung: Wärmequelle unerreichbar montieren, Schutzgitter, Wärmegradient ausserhalb des Bodengrunds

Dysekdyse (gestörte Häutung)

Ursache: Zu niedrige Luftfeuchte, Vitamin-A-Mangel, Dehydratation, Ektoparasiten

Symptome: Anhaftende Hautreste an Zehen/Schwanz, mögliche distale Nekrose (Schnürring)

Vorbeugung: Wöchentliches Bad, korrekte Luftfeuchte, vitamin-A-reiches Grünfutter, sanftes Ablösen der Reste

Ulzeröse Stomatitis („Mundfäule“)

Ursache: Stress, Maultrauma, mangelhafte Hygiene, Immunsuppression

Symptome: Käsige Beläge im Maul, blutendes Zahnfleisch, Hypersalivation, Anorexie

Vorbeugung: Terrarienhygiene, korrekte Temperaturparameter, regelmässige Maulkontrolle