Maurische Landschildkröte
Testudo graeca
Ektothermes, wechselwarmes Reptil. In freier Wildbahn Einzelgänger; in Haltung mit Artgenossen im grossen Gehege verträglich. Hauptverhalten: Sonnenthermoregulation, Weiden und Wandern, Verstecken in der Mittagshitze, Boden durchwühlen. Aktiver und wärmebedürftiger als die Griechische Landschildkröte.
Überblick & Kennzahlen
Vorschriften
CITES Anhang II
ℹ️Haltung/Handel mit Herkunftsnachweis; Ein-/Ausfuhr: CITES-Bewilligungen. TSchV: Freigehege/UVB, kontrollierte Winterruhe; Mikrochip-Kennzeichnung je nach Grösse empfohlen. Aussetzen verboten.
Lebenserwartung
von 50 bis 100Jahre
ℹ️50–100 Jahre bei guter Haltung; einzelne Tiere dokumentiert > 100 Jahre.
Gewicht (adult)
von 0.5 bis 3kg
ℹ️Variabel je nach Unterart und Geschlecht: T. g. graeca 0,5–1,5 kg; T. g. ibera (Anatolien) bis 3 kg. Weibchen schwerer als Männchen.
Grösse (adult)
von 15 bis 30cm
ℹ️Panzerlänge: 15–20 cm (T. g. graeca), bis 25–30 cm (T. g. ibera).
Lebensweise
Mediterrane Trockenlebensräume, tagaktiv, bodenlebend
Körpertemperatur
Ektotherm / wechselwarm
Geschlechtsreife
von 7 bis 11Jahre
ℹ️7–8 Jahre (Männchen), 9–11 Jahre (Weibchen).
Inkubation
von 60 bis 70Tage
ℹ️Inkubation 60–70 Tage bei 30–32 °C. Temperaturabhängige Geschlechtsbestimmung (TSD).
Wurf-/Gelegegrösse
von 4 bis 5Eier
ℹ️4–5 Eier pro Gelege, 2 Gelege pro Jahr.
Lebensraum & Umgebung
Art der Unterkunft
Naturnahes Aussengehege während der gesamten warmen Saison (Mitte April bis Mitte Oktober je nach Klima). Terrarium nur für Jungtiere, Rekonvaleszenz oder Vor-/Nachbrumation. Süd-Exposition, perfekte Drainage.
Substrat & Einstreu
Draussen: Gartenerde/lichter Rasen + Schieferplatten zum Sonnen; einzelne Laubinseln zum Eingraben. Drinnen: Küchenpapier, Zeitungspapier oder Sandmat Exoterra®. Sand und feine Erde drinnen vermeiden (Darmverschluss).
Beleuchtung
Photoperiode : 10–12 Std./Tag während der Aktivität; vor der Brumation schrittweise verkürzen (8 → 6 Std. über 2–3 Wochen). Draussen reicht die natürliche Photoperiode.
UVB
- UVB-Bedarf : Drinnen lebensnotwendig (Vitamin-D3-Synthese, Calciumaufnahme); draussen natürlich (>20 °C, sonnig)
- Lampentyp : Metallhalogenidlampen mit externem Vorschaltgerät (UVB + Wärme kombiniert) oder T5 HO 12 % Röhre mit separatem Wärmespot
- Empfohlene Marken : X-ReptileReptile ExpertSolar RaptorArcadia
- Wechselintervall : 1×/Jahr (Metallhalogenid) — klassische UV-Röhren alle 6 Monate (UVB lassen vor dem sichtbaren Licht nach)
- UVB durchdringen weder Glas noch Plexiglas. Lampe im Terrarium platzieren, unter Schutzgitter. Direkte Sonne hinter einer Scheibe ist wirkungslos und kann gefährliche Überhitzung verursachen.
- Für die Gesundheit dieser Reptilien sind Metallhalogendampflampen die Referenz für die UV-Versorgung: Sie liefern ein starkes UVB-Spektrum, deutlich kräftiger als Leuchtstoffröhren oder Kompaktlampen, und optimieren so die Vitamin-D-Synthese und damit die Calciumaufnahme. Sie senken das Risiko einer metabolischen Knochenerkrankung und bieten zusätzlich intensives sichtbares Licht und eine gleichmässige Wärme, die die Aktivität fördern.
Sonnenplatz : Schieferplatte mit Südausrichtung (draussen) oder Metallhalogenidlampe in 30–40 cm Abstand (drinnen). 30–35 °C an der Panzeroberfläche.
Auslauf & Bewegung
Grosse Aussenfläche zum Weiden, Scharren, Sonnen und Verstecken. Die Maurische Landschildkröte ist sehr aktiv und legt täglich mehrere Dutzend Meter zurück.
Benötigte Ausstattung
- ✓ Stabile Umzäunung (Beton, behandeltes Holz oder Stein), Höhe ≥ 30 cm, 20–30 cm eingegraben gegen Flucht und grabende Prädatoren
- ✓ Abgerundete Ecken (Schildkröten klettern in Ecken)
- ✓ Überdachter Unterstand (Hütte, Frühbeet) bei Regen und Kälte
- ✓ Sonniger Sonnenplatz mit Schieferplatten/Steinen
- ✓ Schattige Bereiche unter Sträuchern (Sommer-Thermorefugium)
- ✓ Flache, breite Wasserstelle (5–8 cm), rauer Rand
- ✓ Essbare Bepflanzung: Löwenzahn, Klee, Gänsedistel, Hibiskus, Malve, Wegerich
- ✓ Sepiaschulp ad libitum
- ✓ Eiablageplatz (feuchter Sand/Erde, halbsonnig) für Weibchen ab 7–8 Jahren
- ✓ Schutznetz gegen Rabenvögel für Jungtiere
Zu vermeiden
- ⚠️ Feiner Sand / lose Erde drinnen (Darmverschluss)
- ⚠️ Heizsteine oder Heizplatten am Boden (Verbrennungen am Bauchpanzer)
- ⚠️ Ungeschützte UV-Lampen (Verbrennungsgefahr)
- ⚠️ Glasscheibe zwischen Tier und UV (UVB durchdringen kein Glas)
- ⚠️ Harzhaltige Späne (Kiefer, Zeder) in grossen Mengen
- ⚠️ Gehege ohne permanenten Schatten (sommerlicher Hitzschlag)
- ⚠️ Tiefer Wassernapf (> 10 cm ohne Rampe; Ertrinkungsgefahr)
- ⚠️ Durchnässter Boden (Plastron-Mykosen)
Technische Parameter
| Wärmepunkt | 30–35 °C Sonnenplatz unter der Lampe; Temperatur an der Oberfläche des Sonnenplatzes gemessen. |
| Kühlpunkt | 18–25 °C Kühle und nächtliche Zone; nachts bis 15 °C ausserhalb der Brumation tolerierbar. |
| Luftfeuchtigkeit | 40–60 % Eher trocken (halbwüstenähnlicher Ursprung); Jungtiere 50–60 %, um Pyramidisierung zu vermeiden. > 70 % vermeiden (Plastron-Pilze). |
Gifte & Gefahren in der Umgebung
Tiere, die frei im Haus oder in der Voliere leben, können diesen alltäglichen Gefahren ausgesetzt sein. Hinweisliste — im Einzelfall prüfen.
Pflanzen
- 🌸 Lilie — Lilien aller Sorten (Sträusse, Zimmerpflanzen)
- 🌺 Oleander — Oleander (Garten, Balkon)
- 🌲 Eibe — Gemeine Eibe (Hecken, Gärten)
- 🔔 Maiglöckchen — Maiglöckchen (Sträusse, Garten)
- 🌸 Fingerhut — Roter Fingerhut, Zierpflanzen
- 🌺 Rhododendron / Azalee — Rhododendron, Azaleen (Garten, Zierpflanzen)
- 🌸 Kalanchoe — Kalanchoen (beliebte Zimmerpflanzen)
- 🌸 Wandelröschen — Wandelröschen (Zierpflanze, Balkon)
- 🌿 Rhabarberblätter — Rhabarberblätter (Garten)
- 🌳 Kirschlorbeer & Prunus-Arten — Kirschlorbeerhecken, Blätter/Kerne von Kirsche, Pflaume, Aprikose, Pfirsich (Schnittgut im Auslauf)
- 🌸 Stechapfel & Tollkirsche — Stechapfel (Engelstrompete), Tollkirsche, Schwarzer Nachtschatten, Maulwurfsgift — Wildkräuter und Zierpflanzen
- 🌿 Schierling — Gefleckter Schierling, Hundspetersilie, Wasserschierling — Grabenränder, feuchte Wiesen
- 🌸 Hortensie — Hortensien in Töpfen und Beeten (beliebte blaue/rosa Blüten)
- 🍁 Roter Ahorn (welke Blätter) — Welke Blätter des Roten Ahorns (Herbst, Schnitt); besonders giftig in getrocknetem Zustand
Chemikalien
- 🐌 Schneckenkorn (Metaldehyd) — Blaue Granulate gegen Schnecken in Gärten
- 🌱 Herbizide & Düngemittel — Glyphosat, Moosvernichter, Düngergranulat, Blutmehl, Hornmehl; frisch ausgebrachte Köder/Pulver auf Rasen
- 🪰 Haushaltsinsektizide — Fliegensprays, Mückendiffusoren, Wirkstoffplättchen, chemische Antiparasitika
- 🐀 Rodentizide (Rattengifte) — Antikoagulanzien (Warfarin, Brodifacoum), Bromethalin, Cholecalciferol, Strychnin; Granulat-/Blockköder oder vergiftete tote Nager
- 🧂 Salz & Salzwasser — Salzlecksteine, Wasser aus Enthärtern, Schmelzwasser von gesalzenen Strassen, salzige Reste (Wurst, Chips)
Ernährung
Empfohlene Verteilung
- Grünfutter & Wildkräuter 90 %
- Obst (gelegentlich) 10 %
Basisfutter 90 %
Strikter Pflanzenfresser: 90 % vielfältige faserreiche Pflanzen (Wildkräuter, Blüten, Blätter), max. 10 % Obst. Hohes Ca/P-Verhältnis bevorzugen (≥ 2). Natürliches Weiden im bepflanzten Gehege ist die ideale Basis. Keine tierischen Proteine.
🌿 Pflanzen & Kräuter
🥕 Gemüse
🥕 Gemüse & Grünfutter
Ergänzende Pflanzen und Blätter zur Abwechslung über das Weiden hinaus.
⏰ Fütterungsfrequenz
- • Täglich in der Aktivsaison (April bis Oktober), Portion in 15–20 Min. fressbar
- • 1–2 Fastentage/Woche bei Adulten tolerierbar (verhindert Adipositas und Pyramidisierung)
- • Schrittweises Fasten ab September vor der Brumation
- • Calcium und Sepiaschulp ständig ad libitum
- • Frisches Wasser durchgehend verfügbar
Ergänzungen & Pellets
Pellets für pflanzenfressende Schildkröten als gelegentliche Ergänzung, immer eingeweicht (verhindert Wasserdefizite und verbessert das Kauen). Nicht als Hauptration.
- 🟤 Pellet — Réhydraté 5–10 min avant distribution
Leckerli 10 %
Obst und süssere Pflanzen in sehr kleiner Menge (max. 10 % der Ration). Vitamin-A-reiche Quellen bevorzugen.
Wasser & Hydratation
Frisches Wasser dauerhaft in einer breiten, flachen Schale, 1× täglich wechseln. Lauwarme Bäder (28–30 °C, 15–20 Min.) wöchentlich in der Aktivsaison, täglich vor/nach der Brumation. Schildkröten trinken vor allem beim Baden und durch saftiges Grünfutter.
Vitamin A
Unentbehrlich für Schleimhäute, Haut, Häutung und Sehkraft. Mangel: geschwollene Lider, Dysekdyse, Atemwegs-/Augeninfekte, schlechte Panzerqualität. Wird über reiches Grünfutter gedeckt: Löwenzahn (≈ 397 000 IE/kg TS), Brunnenkresse (≈ 422 000), Römersalat (≈ 274 000), Spinat (≈ 301 000), Endivie, Rübengrün, Grünkohl, Mango, Papaya, Aprikose, Melone.
Zu vermeiden
Giftige, stark unausgewogene Lebensmittel (ungünstiges Ca/P, zucker-/stärkereich) oder für den strikten Pflanzenfresser ungeeignet. Tierische Proteine vermeiden (Gicht, MBD, Leberschäden).
- 🥑 Avocado — Persine — cardiotoxique
- 🌿 Rhabarber — Acide oxalique
- 🍆 Aubergine — Solanine
- 🌼 Osterglocke — Toxique
- 🌸 Azalee — Grayanotoxines
- 🌷 Tulpe — Tuliposides
- ✨ Leuchtkäfer — Mortel
- 🍄 Pilz — Ca/P 0,06
- 🌽 Mais — Ca/P 0,1; amidon trop élevé
- 🥦 Rosenkohl — Ca/P 0,2; goitre
- 🍌 Banane — Trop sucré; Ca/P 0,3
- 🍅 Tomate — Acidité + Ca/P 0,4
- 🥬 Salat — Iceberg/ronde : trop d'eau, peu nutritive
- 🍑 Pfirsich — Trop sucré
- 🍎 Apfel — Trop sucré
- 🥒 Gurke — Concombre : trop d'eau, Ca/P 0,5
- 🥦 Blumenkohl — Goitre
- 🥕 Karotte — Trop sucré; Ca/P 0,6
- 🍇 Weintraube — Trop sucré
- 🍓 Erdbeere — Trop sucré
- 🍓 Himbeere — À limiter
- 🍗 Hähnchen — Pas de protéine animale
- 🥩 Fettes Fleisch — Pas de protéine animale
- 🧀 Milchprodukt — Inadapté
- 🍞 Brot — Inadapté
- 🍝 Nudeln — Inadapté
Verhalten & Sozialisation
Sozialleben
Eher Einzelgängerveranlagung; ein Männchen-Weibchen-Paar setzt das Weibchen ständiger Belästigung aus (Erschöpfung, Panzerwunden). 1 Männchen / 2–3 Weibchen oder reine Weibchengruppen bevorzugen. Männchen trennen (Revierkämpfe). Keine Vergesellschaftung mit anderen Schildkrötenarten (Übertragung von Mycoplasma agassizii und Herpesviren).
Aktivitätszyklus: Tagaktiv. Aktivitätsspitze am Vormittag (Sonnen), dann Weiden; Mittagspause im Schatten; zweiter Höhepunkt am Nachmittag. Nachts Rückzug in den Unterstand oder leichtes Eingraben.
Schlaf & Ruhe : Kein langer durchgehender Schlaf in der Aktivsaison; nächtlicher Rückzug in den Unterstand. Die Winterruhe ist kürzer und milder als bei der Griechischen Landschildkröte (Brumation 6–10 Wochen, 8–12 °C) — siehe Abschnitt Hibernation.
Beschäftigung
- Weidefläche mit essbarer Bepflanzung zum Suchen
- Laub-/Strohhaufen zum Eingraben
- Stümpfe und Steine zum Klettern (sicher)
- Wöchentliches lauwarmes Bad (28–30 °C)
- Verteilte Futtergabe, um Bewegung zu fördern
Futtersuche (Foraging)
Natürliches Weideverhalten: Die Schildkröte schreitet, weidet, scharrt und erkundet. Verteiltes Futter im bepflanzten Gehege ist die ideale Beschäftigung — viel sinnvoller als ein Haufen im Napf. Fördert Bewegung, Sonnenexposition und Verdauung.
Zeit in der Natur : Mehrere Stunden täglich Weiden und Erkunden (in der Aktivsaison)
Techniken :
- Löwenzahn, Klee, Wegerich und Hibiskus im Gehege pflanzen (spontanes Weiden)
- Geerntetes Grünfutter an verschiedenen Stellen verteilen statt anhäufen
- Lieblingsobst unter flachen Steinen verstecken
- Wöchentlich variieren: Verteilungszonen wechseln
- Lauwarmes Bad + Trinken: das Tier sucht auch sein Wasser
Gesundheit & Vorsorge
Vorsorgemedizin
Jährliche klinische Untersuchung (Panzer, Nasenlöcher, Augen, Maul, Plastron, Körperkondition), monatliches Wiegen (Verlaufskurve), Kotuntersuchung 1×/Jahr vor der Brumation, Mikrochip-Kennzeichnung ab ~10 cm Panzerlänge, Quarantäne ≥ 3 Monate für Neuzugänge (Mycoplasma-agassizii- und Herpesvirus-Screening bei Risikotieren). Jährlicher Wechsel der UVB-Lampen in Innenhaltung. Wildfänge aus Nordafrika sind besonders anfällig für Mykoplasmosen: PCR-Screening empfohlen.
Impfungen
Keine Routineimpfungen bei der Maurischen Landschildkröte.
Chirurgie & Kastration
Häufige Eingriffe: Ovariohysterektomie bei Legenot, Panzerwundenbehandlung (Frakturen, Prädatorenwunden), Korrektur von Kloaken-/Penisprolaps, Abszessentfernung (insbesondere Ohrabszesse), Blasensteinentfernung (Uratsteine), Panzerreparatur mit Epoxidharz.
Klinische Warnsignale
Bei einem dieser Symptome ist eine rasche tierärztliche Versorgung essenziell. Kontaktieren Sie so bald wie möglich eine auf Exoten spezialisierte Tierärztin, die den Zustand Ihres Tieres beurteilen und die geeignete Diagnose stellen kann.
Häufige Erkrankungen
Metabolische Knochenkrankheit (MBD)
Ursache: Calcium- und/oder UVB-Mangel, zu viel Obst, unausgewogenes Ca/P, falsche Luftfeuchte bei Jungtieren
Symptome: Weicher/verformter Panzer (Pyramidisierung), weicher Schnabel, langsames Wachstum, spontane Frakturen, Beinschwäche
Vorbeugung: UVB 10–12 %, jährlich ersetzt, Calcium ad libitum, Grünfutter mit hohem Ca/P, altersgerechte Luftfeuchte
Mykoplasmose / Schnupfen-Syndrom (RNS)
Ursache: Mycoplasma agassizii oder Mycoplasma testudineum (häufig bei T. graeca, besonders nordafrikanische Tiere), Chelonid-Herpesviren, Haltungsstress, zu kühle/feuchte Umgebung
Symptome: Seröser, später mukopurulenter Nasenausfluss, Pfeifgeräusche, Appetitverlust, Konjunktivitis, häufig chronisch
Vorbeugung: Quarantäne ≥ 3 Monate und PCR auf Mycoplasma/Herpes für Neuzugänge, keine Vergesellschaftung verschiedener Schildkrötenarten, strikte Hygiene, warme und trockene Umgebung
Legenot / Eiretention
Ursache: Fehlender Eiablageplatz, Hypokalzämie, übergrosse Eier, Dehydratation, Stress
Symptome: Anorektisches Weibchen, > 1 Woche Grabaktivität ohne Eiablage, aufgetriebener Bauch, pinguinartiger Gang
Vorbeugung: Eiablagebehälter mit feuchtem Sand/Erde während der ganzen Saison zugänglich, ausreichend Calcium, Hydratation, jährliche Kontrolle des Weibchens
Panzerulzera / -mykose
Ursache: Zu feuchtes oder verschmutztes Substrat, unbehandelte Wunden, Parasitismus (Fliegen/Maden)
Symptome: Weisse/gelbe/braune Flecken am Bauch- oder Rückenpanzer, fortschreitende Erosion, Nässen, übler Geruch
Vorbeugung: Trockenes, sauberes Substrat (perfekte Drainage), regelmässige Reinigung, wöchentliche Panzerkontrolle
Innerer Parasitenbefall (Oxyuren, Spulwürmer, Flagellaten)
Ursache: Wiederansteckung über Kot, mangelhafte Hygiene, Stress
Symptome: Weicher Kot oder Durchfall, Gewichtsverlust, Wachstumsverzögerung, sichtbare Parasiten im Kot
Vorbeugung: Jährliche Kotuntersuchung (insbesondere vor der Brumation), gezielte Entwurmung, regelmässig Kot entfernen
Blasensteine (Uratsteine)
Ursache: Chronische Dehydratation, Protein-Überschuss, zu trockene Fütterung
Symptome: Anorexie, Rückwärtsgang, Stöhnen, Bäderverweigerung, breiige Urinabsätze
Vorbeugung: Wöchentliche Bäder, saftiges Grünfutter, keine tierischen Proteine, immer Wasser zur Verfügung
Panzer-Pyramidisierung
Ursache: Zu schnelles Wachstum, zu niedrige Luftfeuchte bei Jungtieren, Protein-Überschuss, Bewegungsmangel
Symptome: Rückenschilder dauerhaft kegelförmig erhöht (irreversible Deformation)
Vorbeugung: Luftfeuchte 50–60 % bei Jungtieren, sehr faserreiche Ernährung, tägliche Bewegung, Aussenhaltung sobald möglich
Ohrabszess
Ursache: Aufsteigend aus der Eustachischen Röhre (schlechte Hygiene, Hypovitaminose A, kalte/feuchte Umgebung)
Symptome: Feste, einseitige Schwellung am Trommelfell (käsig), oft schmerzlos, manchmal Anorexie
Vorbeugung: Korrekte Luftfeuchte, ausreichend Vitamin A, Umgebungshygiene; chirurgische Drainage bei Diagnose
Winterruhe & Ruhephase
Wichtig
Kurze, kontrollierte Brumation (6–10 Wochen bei 8–12 °C) statt tiefer Winterruhe — wesentlicher Unterschied zur Griechischen Landschildkröte. Je nach Unterart anpassen: T. g. ibera (Anatolien) verträgt längere Kälteperioden; T. g. graeca (Marokko/Spanien) bevorzugt eine kürzere, mildere Ruhephase. Nicht brumieren: Jungtier < 100–150 g, krankes/rekonvaleszentes Tier, vor der Brumation Gewicht verloren, oder in unkontrolliertem feuchten Klima. Warnsignale: häufiges Aufwachen, Nasenausfluss, Verlust > 1 %/Monat oder > 6–8 % insgesamt → abbrechen und schrittweise aufwärmen.
Zeitraum
Oktober/November bis Januar (6–10 Wochen). Kürzere und mildere Brumation als bei der Griechischen Landschildkröte.
Temperatur
8–12 °C
Methode
Kühler, trockener Raum, mit Styropor isolierte Kiste von mindestens 30 cm, trockenes Substrat (Laub/Heu/Zeitungspapier), Nagerschutz. Referenzwiegen vor dem Eingang. Keine unkontrollierten Aussen-Überwinterungen (Temperatur-/Feuchteschwankungen).
Schritt-für-Schritt-Plan
- 1
Mitte August: Futter anpassen (faserreiche Wildkräuter), Obst begrenzen.
- 2
Anfang September: Klinische Untersuchung + Kotuntersuchung; bei positiven Parasiten behandeln.
- 3
Mitte September: schrittweises Fasten beginnen; Bäder 28–30 °C 10–15 Min. täglich 7–10 Tage vor Beginn.
- 4
Beginn (Oktober/November): bei 8–12 °C unterbringen, ruhiger und dunkler Raum, trockenes, belüftetes Substrat.
- 5
Während der Brumation: monatliche Kontrolle von Gewicht (Verlust ≤ 1 %/Monat), T° und Luftfeuchte.
- 6
Ende (Januar): innerhalb 7–10 Tage auf 18–22 °C steigern; Bäder 2–3×/Woche; schrittweise Wiederanfütterung (faserreiche Kräuter).
- 7
T+7 nach Aufwachen: Tierarzt bei anhaltender Futterverweigerung, fehlendem Urin, Verlust > 10 % oder ausgeprägter Apathie.
Schlüsselindikator für die Mineralbilanz eines Futtermittels, besonders bei Reptilien (Schildkröten, Echsen): ein calciumbetontes Verhältnis stützt Knochen und Panzer und beugt metabolischer Knochenkrankheit vor. Bei pflanzenfressenden Säugetieren wird die Mineralbilanz anders geregelt (Heu, Ergänzungen, UV-Licht) — diese Richtwerte gelten dort nicht 1:1.
Bei Insekten (Grillen, Schaben…) kann ein Calciumpulver bei der Fütterung ein ungünstiges Verhältnis ausgleichen.
- ≥ 2 — Angemessenes Gleichgewicht
- 1–2 — Mit Mass
- < 1 — Vermeiden / nur gelegentlich
Dieses Futter überschreitet die Schwelle von 50 000 IE/kg Trockensubstanz und gilt damit als gute Vitamin-A-Quelle.
Gehalt : — IE/kg TS
Essenziell für Schleimhäute, Haut, Gefieder und Sehkraft. Mangel: Atemwegsinfekte, Häutungsprobleme, Augenleiden, Legerückgang.