Haushuhn
Gallus gallus domesticus
Sehr soziales und ausdrucksstarkes Tier. Strikte Gruppenhierarchie (Hackordnung), die durch kurze Konfrontationen festgelegt wird; Gruppenänderungen müssen schrittweise erfolgen. Aktivität morgens und am späten Nachmittag; Siesta/Sandbad mittags. Vielfältige Lautäusserungen (Legegesang, Warnruf, Wohlbefinden).
Überblick & Kennzahlen
Vorschriften
Heim-/Nutztier
ℹ️TSchV: Mindestanforderungen (Fläche, Sitzstangen, Licht, Einstreu); Gruppenhaltung. Tierverkehrsdatenbank/Anzeigepflichten bei Bestand. Kantonale/gemeindliche Vorschriften (Hähne, Lärm).
Lebenserwartung
von 5 bis 10Jahre
ℹ️Durchschnittlich 5–10 Jahre; robuste Rassen bis 12 Jahre, Hybridlegehennen oft weniger (3–5 Jahre).
Gewicht (adult)
von 1.5 bis 4kg
ℹ️Stark rasseabhängig: Zwerg ~0,8 kg, Legehenne 1,8–2,5 kg, schwere Rasse (Brahma, Orpington) 3–5 kg.
Grösse (adult)
von 30 bis 70cm
ℹ️Schulterhöhe 30–50 cm; grosse Rassen (Brahma) bis 70 cm.
Lebensweise
Tagaktiv, soziales Bodentier
Körpertemperatur
von 40.5 bis 42.5°C
ℹ️Hohe Körpertemperatur; 40,5–42,5 °C gelten als normal.
Geschlechtsreife
von 5 bis 7Monate
ℹ️5–7 Monate je nach Rasse (früher bei Hybridlegehennen, später bei schweren Rassen).
Inkubation
von 21 bis 21Tage
ℹ️Natürliche oder künstliche Bebrütung 21 Tage bei 37,5–37,8 °C.
Wurf-/Gelegegrösse
Bis zu 28 Eier/Monat bei guten Legehennen; ausgeprägte Saisonalität bei robusten Rassen.
Lebensraum & Umgebung
Art der Unterkunft
Geschlossener Stall + Aussenauslauf. Nicht poröse Materialien (leicht zu reinigen und desinfizieren); Belüftung ohne Zugluft; Isolation gegen Feuchtigkeit und Temperaturextreme. Geschützt vor Hauptwindrichtungen, fern von Küchen und Zugluft platzieren.
Substrat & Einstreu
Stroh, Heu, harzfreie Späne oder Hanf. Trocken, staubarm, regelmässig erneuert. Im Schlafbereich auch waschbare Matten (Drybed®, Vinyl) zur Staubreduktion möglich.
Beleuchtung
Photoperiode : Natürliches Licht. Photoperiode 14–16 Std. für anhaltende Legeleistung; im Winter natürliche Reduktion auf 8–10 Std. Optionale künstliche Lichtergänzung (Zeitschaltuhr) für 12–14 Std., abgestimmt mit der Ruhephase.
UVB
- UVB-Bedarf : Förderlich (Vitamin-D-Synthese, Schalenqualität); natürlicher Sonnenzugang reicht meist aus
- Lampentyp : Spezielle Vogel-UV-Lampe nur, wenn der Stall innen ohne Sonnenzugang ist
- Empfohlene Marken : Arcadia Bird LampZoo Med AvianSun
- Wechselintervall : 1×/Jahr
- UVB durchdringen weder Glas noch Plexiglas. Lampe im Terrarium platzieren, unter Schutzgitter. Direkte Sonne hinter einer Scheibe ist wirkungslos und kann gefährliche Überhitzung verursachen.
Auslauf & Bewegung
Täglicher Zugang zu einem Auslauf, idealerweise in mehrere Zonen unterteilt mit Wechsel zum Schutz der Vegetation. Hohes Gras (Kropfverstopfung) und stehende Gewässer vermeiden.
Benötigte Ausstattung
- ✓ Sitzstangen aus unbehandeltem Naturholz (Ø 4–5 cm, abgerundet), 18–20 cm Länge pro Huhn, 50–80 cm über dem Boden, 30 cm Abstand
- ✓ Dunkle, ruhige Legenester: 1 pro 4–5 Hühner; ca. 30×30×35 cm, sauberes Stroh/Heu
- ✓ Spritzschutz-/Reusenfutterautomaten auf Rückenhöhe
- ✓ Saubere Tränken (täglich gewechselt) an mehreren Stellen; beheizt im Winter
- ✓ Calciumquelle ad libitum (geschrotete Austernschalen, Sepiaschulp)
- ✓ Schale/Behälter mit Grit/Magensteinen (kleine Kiesel) für den Muskelmagen
- ✓ Sandbad (feiner trockener Sand, Erde, gesiebte Holzasche)
- ✓ Automatische Hühnerklappe (z. B. ChickenGuard®)
- ✓ Hohe Lüftungsklappe (führt Ammoniak und Feuchte ab) ohne direkte Zugluft
Zu vermeiden
- ⚠️ Glatte Plastik- oder kalte Metallstangen (rutschig, Sohlenballenentzündungen, Erfrierungen)
- ⚠️ Mit Schmirgelpapier überzogene Sitzstangen
- ⚠️ Harzhaltige Sägespäne (Kiefer, Tanne) in grossen Mengen (Atemwegsreizung)
- ⚠️ Grillasche (Chemikalienrückstände) im Sandbad
- ⚠️ Duftprodukte/Aerosole im Stall
- ⚠️ Antihaftgeschirr PTFE in der angrenzenden Küche
- ⚠️ Zugängliche Stromkabel im Auslauf
- ⚠️ Bodenheizplatten (Verbrennungsgefahr)
Technische Parameter
| Umgebungstemperatur | 5–25 °C 5–25 °C problemlos; Vorsicht > 28 °C (Hitzschlag) und < 0 °C bei Feuchtigkeit (Erfrierungen an Kamm/Kehllappen). |
| Luftfeuchtigkeit | 50–70 % Gut belüfteter Stall; > 75 % vermeiden (Schimmel, Aspergillose) und < 40 % (Staub). |
Gifte & Gefahren in der Umgebung
Tiere, die frei im Haus oder in der Voliere leben, können diesen alltäglichen Gefahren ausgesetzt sein. Hinweisliste — im Einzelfall prüfen.
Schwermetalle
- ⚠️ Blei — Bleiglas, alte Farben, Vorhangstangen, Schmuck, Lötstellen, alte Jalousien, Linoleum
- ⚠️ Zink — Verzinkte Käfige, Beschläge, Spielzeug (Glöckchen, Spiegel), alte Münzen
Dämpfe & Gase
- 🍳 Teflon / PTFE — Antihaftpfannen, Heissluftfritteusen, Bügeleisen, Raclette-/Crêpe-Geräte, selbstreinigende Backöfen
- ☠️ Kohlenmonoxid — Abgase, defekte Heizungen, schlecht ziehende Kamine
- 🍞 Mykotoxine (Schimmelpilze) — Aflatoxine, Ochratoxin, DON, Zearalenon: feucht gelagerte Körner, nasse Einstreu, schlecht konservierte Silagen
- ☠️ Botulismus (Clostridium botulinum) — Verwesende Kadaver (Nager/Vögel) im Auslauf, offener Kompost, fermentierte Küchenabfälle, stehendes Wasser
Chemikalien
- 🐀 Rodentizide (Rattengifte) — Antikoagulanzien (Warfarin, Brodifacoum), Bromethalin, Cholecalciferol, Strychnin; Granulat-/Blockköder oder vergiftete tote Nager
- 🐌 Schneckenkorn (Metaldehyd) — Blaue Granulate gegen Schnecken in Gärten
- 🚫 Fipronil — Antiparasitika für Hunde/Katzen (Frontline®, Sprays), Hühner-Antimilben-Behandlungen
- 🪰 Haushaltsinsektizide — Fliegensprays, Mückendiffusoren, Wirkstoffplättchen, chemische Antiparasitika
- 🌱 Herbizide & Düngemittel — Glyphosat, Moosvernichter, Düngergranulat, Blutmehl, Hornmehl; frisch ausgebrachte Köder/Pulver auf Rasen
- 🛢️ Kohlenwasserstoffe & Lösungsmittel — Kerosin, Benzin, Altöl, Verdünner, Spiritus, Frostschutz; Pfützen bei Werkstätten oder Garagen
- 🧂 Salz & Salzwasser — Salzlecksteine, Wasser aus Enthärtern, Schmelzwasser von gesalzenen Strassen, salzige Reste (Wurst, Chips)
- 🧴 Haushaltsreiniger — Ammoniak, Bleichmittel, Reinigungsmittel, Chlordesinfektionsmittel, Entfetter
- 🧪 Mottenkugeln (Naphthalin, Paradichlorbenzol) — Mottensäckchen und -kugeln in Schränken
- 🎨 Lacke, Firnis, Polyurethan — Frische Anstriche, Polyurethanschaum, Lacke und Lösungsmittel
Geräte & Ausrüstung
- 🔌 Stromkabel — Zugängliche 230-V-Kabel, ungeschützte Steckdosen
Pflanzen
- 🌸 Lilie — Lilien aller Sorten (Sträusse, Zimmerpflanzen)
- 🌺 Oleander — Oleander (Garten, Balkon)
- 🌲 Eibe — Gemeine Eibe (Hecken, Gärten)
- 🔔 Maiglöckchen — Maiglöckchen (Sträusse, Garten)
- 🌳 Eiche (Eicheln und Blätter) — Eicheln und Eichenblätter
- 🌸 Fingerhut — Roter Fingerhut, Zierpflanzen
- 🌺 Rhododendron / Azalee — Rhododendron, Azaleen (Garten, Zierpflanzen)
- 🌸 Kalanchoe — Kalanchoen (beliebte Zimmerpflanzen)
- 🌸 Wandelröschen — Wandelröschen (Zierpflanze, Balkon)
- 🌿 Rhabarberblätter — Rhabarberblätter (Garten)
- 🌳 Kirschlorbeer & Prunus-Arten — Kirschlorbeerhecken, Blätter/Kerne von Kirsche, Pflaume, Aprikose, Pfirsich (Schnittgut im Auslauf)
- 🌿 Wunderbaum (Ricinus communis) — Zierpflanze (sehr dekorative rote/grüne Blätter), marmorierte Samen
- 🌸 Stechapfel & Tollkirsche — Stechapfel (Engelstrompete), Tollkirsche, Schwarzer Nachtschatten, Maulwurfsgift — Wildkräuter und Zierpflanzen
- 🌿 Schierling — Gefleckter Schierling, Hundspetersilie, Wasserschierling — Grabenränder, feuchte Wiesen
- 🌸 Hortensie — Hortensien in Töpfen und Beeten (beliebte blaue/rosa Blüten)
- 🍁 Roter Ahorn (welke Blätter) — Welke Blätter des Roten Ahorns (Herbst, Schnitt); besonders giftig in getrocknetem Zustand
Ernährung
Empfohlene Verteilung
- Getreide 65 %
- Eiweiss 25 %
- Gemüse & Obst 10 %
Basisfutter
Allesfresser-Ration: 65 % Getreide (geschrotet bevorzugen; reines Pelletfutter vermeiden), 25 % Eiweiss (Insekten, Hülsenfrüchte, tierischer Anteil im Winter), 10 % vitamin-A-reiches Gemüse/Obst. Calcium ad libitum und Grit unverzichtbar.
🌾 Getreide
🥕 Gemüse
🍴 Sonstiges
🦗 Insekten
🥩 Proteine
🌻 Samen
🥕 Gemüse & Grünfutter 10 %
10 % der Ration. Vitamin-A-reiche dunkelgrüne Blätter bevorzugen (Löwenzahn, Brunnenkresse, Spinat, Römersalat, Rübengrün). Fein hacken. Ohne Würze, ohne Fettzusatz.
⏰ Fütterungsfrequenz
- • 2 Mahlzeiten/Tag (morgens + nachmittags) in einer in 15–20 Min. fressbaren Menge
- • Calcium und Grit ständig ad libitum
- • Frisches Wasser durchgehend verfügbar
- • Grünfutter frisch geschnitten anbieten, Reste am Tagesende entfernen
Ergänzungen & Pellets
Komplettfutter (Pellets/Mehl) als Basis möglich, wenn Schrot schwer zugänglich ist. Legehennenfutter 16–18 % Protein, mit Calcium/Vitaminen angereichert wählen.
- 🟤 Pellets — Aliment pondeuse complet, riche en calcium.
Leckerli
Gelegentliche Leckerli: Ölsaaten (Lein, Raps), kleine ungewürzte Tischreste, sehr wenig süsses Obst. Kein Brot (Gluten), keine Süssigkeiten, kein Salz.
Wasser & Hydratation
Frisches Wasser ad libitum, täglich gewechselt; an mehreren Stellen in Stall und Auslauf. Beheizte Tränken oder häufiger Wechsel im Winter gegen Einfrieren. Eine Henne trinkt je nach Hitze 200–500 mL/Tag.
Vitamin A
Vitamin A ist essenziell für Schleimhäute, Haut, Gefieder, Sehkraft und Eierqualität. Mangel führt zu Plattenepithelmetaplasie: Abszesse, Granulome, Nasenausfluss, periokulare Schwellung, Dyspnoe, mattes Gefieder, Anorexie und Legerückgang. Quellen: dunkles Blattgrün (Brunnenkresse, Löwenzahn, Römersalat, Spinat), Aprikose, Mango, Papaya, Melone.
Futterumstellung
Beim Wechsel von einer reinen Saaten- oder Pelletfütterung auf eine ausgewogene Ration 65/25/10 schrittweise vorgehen.
Dauer : Mindestens 1–2 Wochen.
Schritte :
- Altes Futter schrittweise reduzieren (alle 3–4 Tage 25 % weniger).
- Neue Getreideschrote und Proteine (Würmer, Hülsenfrüchte) in wachsender Menge einführen.
- Grünfutter frisch geschnitten in zwei Tagesportionen ergänzen.
- Kotbeschaffenheit und Legeregelmässigkeit überwachen.
Tipps :
- Etwas neues Futter über das alte streuen, um den Geschmack zu gewöhnen.
- Foraging-Verteilung (am Boden, im Stroh) statt Futternapf, um das Interesse zu wecken.
- Calcium und Grit während der gesamten Umstellung ad libitum belassen.
Warnhinweise :
- Kein abrupter Wechsel — Risiko von Legerückgang und Gewichtsverlust.
- Gewicht und Eiproduktion überwachen; bei Rückgang > 30 % in 1 Woche zum Tierarzt.
- Nicht mehrere neue Futtermittel gleichzeitig einführen (erschwert Unverträglichkeitsdiagnose).
Zu vermeiden
Giftige oder klar ungeeignete Lebensmittel. Gewürzte/gesalzene/fettige Tischreste und Weissbrot sind im Alltag zu vermeiden.
- 🥑 Avocado — Persine — cardiotoxique, mortel.
- 🌿 Rhabarber — Acide oxalique.
- 🍎 Apfelkerne — Cyanure (pépins de pomme, noyaux de pêche, cerise, prune).
- 🧅 Zwiebel — Anémie hémolytique.
- 🧄 Knoblauch — À fortes doses : anémie hémolytique.
- 🥔 Kartoffel — Crue ou germée : solanine toxique.
- 🍫 Schokolade — Théobromine — cardiotoxique.
- 🌻 Sonnenblumenkern — Trop grasse; risque obésité et stéatose.
- 🍞 Brot — Pain blanc/moisi : risque de jabot et carences.
- 🍬 Süßigkeiten — Sucres et xylitol toxiques.
- 🥩 Fettes Fleisch — Stéatose hépatique.
Verhalten & Sozialisation
Sozialleben
Strikt sozial: mindestens 3 Hühner (ideal 5+) für stabile Gruppendynamik halten. Hahn/Henne-Vergesellschaftung: 1 Hahn auf 8–10 Hennen (bei weniger: Erschöpfungsrisiko der Hennen). Eingliederung neuer Tiere in Etappen (1 Woche Sichttrennung, kurze beaufsichtigte Kontakte, nächtliche Eingewöhnung auf der Stange). Überbesatz vermeiden (löst Federpicken und Kannibalismus aus).
Aktivitätszyklus: Tagaktiv mit zwei Aktivitätsspitzen (morgens und am späten Nachmittag). Mittagsruhe häufig mit Sandbad. Schlafplatzanflug zur Dämmerung (starker Instinkt).
Schlaf & Ruhe : 10–12 Std. ununterbrochener Schlaf auf der Stange, in Dunkelheit und Ruhe. Der zirkadiane Rhythmus steuert die Legeleistung: chronischer Schlafmangel mindert die Produktion und begünstigt Stoffwechselstörungen.
Beschäftigung
- Wechselnde Aussenausläufe (schont die Vegetation)
- Permanentes Sandbad (Sand/Erde/Asche)
- Tägliches Foraging (Körner im Stroh, hängendes Gemüse)
- Äste/Sitzstangen in verschiedenen Höhen
- Spiegel/Reflexionsobjekt bei einsamem Huhn (nur zur Überbrückung)
Futtersuche (Foraging)
Wesentliches Naturverhalten: das Huhn verbringt einen grossen Teil des Tages mit Scharren, Picken und Wenden des Bodens auf der Suche nach Insekten, Körnern und Grünfutter. Ohne ausreichendes Foraging treten Federpicken, Kannibalismus und Adipositas auf.
Zeit in der Natur : Mehrere Stunden pro Tag im Wild-/Halbfreilandzustand
Techniken :
- Körner in der Stroheinstreu verteilen statt in den Napf
- Ganze Kohlköpfe/Gemüse in Schnabelhöhe aufhängen (Anstrengung + Beschäftigung)
- Foraging-Würfel/Bälle mit Belohnungen innen
- Ausgehöhlte Holzstücke mit Körnern befüllt
- Laub-/Späne-Haufen im Auslauf zum Scharren
- Auslauf wechseln, um Interesse zu erhalten (Insekten, Würmer, frische Wurzeln)
Gesundheit & Vorsorge
Vorsorgemedizin
Jährliche klinische Untersuchung (Gewicht, Gefieder, Kamm, Maul, Kropf, Bauch). 1–2× jährlich Kotuntersuchung auf innere Parasiten (Haarwürmer, Spulwürmer, Kokzidien). Regelmässige Kontrolle auf Rote Vogelmilben (Dermanyssus gallinae) am Sitzstangenfuss und in Stallritzen — Umgebungsbehandlung mit Kieselgur oder Wacholderteer. Mindestens 1 Monat Quarantäne für Neuzugänge. Wöchentliche Stalldesinfektion (Essig, Schmierseife, Natron). Quartalsweises Wiegen.
Impfungen
In der Schweiz keine Pflichtimpfungen in der Hobbyhaltung. In der Zucht: Marek-Impfung bei Küken (gewerbliche Betriebe) und je nach Kontext: Newcastle-Krankheit, infektiöse Bronchitis, Kokzidiose. Impfprogramm mit Tierarzt abstimmen.
Chirurgie & Kastration
Häufige Eingriffe: Ovariohysterektomie (Überproduktion von Eiern, Salpingitis, Eierstocktumoren — bei älteren Hennen sehr häufig), Tumorexzision, Wunddebridement (Federpicken, Prädatoren), Korrektur eines Kloakenprolapses, Kropfbehandlungen (Entleerung/Spülung bei Verstopfung). Hormonelle Sterilisation per Implantat verfügbar (Wirkung 6 Monate bis 1,5 Jahre).
Klinische Warnsignale
Bei einem dieser Symptome ist eine rasche tierärztliche Versorgung essenziell. Kontaktieren Sie so bald wie möglich eine auf Exoten spezialisierte Tierärztin, die den Zustand Ihres Tieres beurteilen und die geeignete Diagnose stellen kann.
Häufige Erkrankungen
Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae)
Ursache: Allgegenwärtiger Ektoparasit; Einschleppung durch Wildvögel, Material oder Neuzugänge
Symptome: Anämie, Legerückgang, nächtliche Unruhe, aufgeplustertes Gefieder, Küken können sterben; Milben in der Dämmerung an den Sitzstangen sichtbar
Vorbeugung: Regelmässige Kontrollen (unter Sitzstangen, in Ritzen); Umgebungsbehandlung (Kieselgur, Wacholderteer); wöchentliche Desinfektion; gebrauchtes Material nur gründlich gereinigt einsetzen
Kokzidiose
Ursache: Bodenprotozoen (Eimeria spp.); begünstigt durch Feuchtigkeit und Besatzdichte
Symptome: Häufig blutiger Durchfall, Apathie, Gewichtsverlust, struppiges Gefieder; vor allem bei Jungtieren (3–8 Wochen)
Vorbeugung: Trockene Einstreu, geringer Besatz, sauberes Wasser, regelmässige Kotuntersuchungen, Auslaufrotation; Kükenimpfung in der Zucht verfügbar
Marek-Krankheit
Ursache: Aviäres Herpesvirus Typ 2; hochansteckend über Staub und Federn
Symptome: Fortschreitende Lähmung (Beine, Flügel), Gewichtsverlust, innere Tumoren, Mortalität; nicht heilbar
Vorbeugung: Impfung am 1. Tag (gewerbliche Brütereien); Tiere aus zertifizierten Beständen kaufen; Quarantäne; keine Tiere unbekannter Herkunft einschleusen
Erkrankungen des Eileiters (Salpingitis, gelbe Bauchfellentzündung, Eierstocktumoren)
Ursache: Zuchtbedingte Überproduktion von Eiern bei Hybriden; Alterung des Fortpflanzungstrakts
Symptome: Aufgetriebener Bauch, pinguinartiger Gang, Anorexie, Legerückgang/Legestopp, schalenlose Eier, Apathie; bei Hennen > 3 Jahre häufig
Vorbeugung: Hormonelle Sterilisation (Deslorelin-Implantat, 6 Monate–1,5 Jahre) oder chirurgisch bei Begleithennen; sehr hochproduktive Rassen meiden, wenn Wohlbefinden Priorität hat
Vitamin-A-Mangel
Ursache: Unausgewogene Ernährung (zu viel Getreide, zu wenig dunkles Blattgrün)
Symptome: Orale Abszesse und Granulome, Nasenausfluss, periokulare Schwellung, Dyspnoe, mattes Gefieder, Legerückgang, schlechte Schalenqualität
Vorbeugung: 10 % der Ration als vitamin-A-reiches Grünfutter; Sonnenzugang und Auslauf; im Winter bei Bedarf supplementieren
Kropfverstopfung
Ursache: Aufnahme langer Faserhalme, Fremdkörper, Grit-Mangel, Parasiten
Symptome: Dauerhaft fester, aufgeblähter Kropf, Anorexie, Gewichtsverlust, Dehydratation, schlechter Atem; unbehandelt lebensbedrohlich
Vorbeugung: Gras im Auslauf kurz halten, Grit ad libitum, keine Fäden/Plastik zugänglich, Kotuntersuchung
Kalkbeinmilbe (Cnemidocoptes mutans)
Ursache: Subkutane Milbe; direkte Übertragung oder über Material
Symptome: Abgehobene, krustige, weissliche Schuppen an den Beinen; Lahmheit, langfristig Deformationen
Vorbeugung: Regelmässige Kontrolle, antiparasitäre Behandlung (Tierarzt), Umgebungsdesinfektion
Dieses Futter überschreitet die Schwelle von 50 000 IE/kg Trockensubstanz und gilt damit als gute Vitamin-A-Quelle.
Gehalt : — IE/kg TS
Essenziell für Schleimhäute, Haut, Gefieder und Sehkraft. Mangel: Atemwegsinfekte, Häutungsprobleme, Augenleiden, Legerückgang.