Griechische Landschildkröte
Testudo hermanni
Ektothermes, wechselwarmes Reptil. In freier Wildbahn Einzelgänger; in Haltung mit Artgenossen im grossen Gehege verträglich. Hauptverhalten: Sonnenthermoregulation, Weiden und Wandern, Verstecken in der Mittagshitze, Boden nach Wasser und zarten Pflanzen durchwühlen.
Überblick & Kennzahlen
Vorschriften
CITES Anhang II
ℹ️Herkunftsnachweis; Ein-/Ausfuhr mit CITES. TSchV: Aussengehege/UVB, Winterruhe; Mikrochipkennzeichnung je nach Grösse/Alter empfohlen; Bestandesbuch führen. Aussetzen verboten.
Lebenserwartung
von 70 bis 100Jahre
ℹ️70–100 Jahre bei guter Haltung; >100 Jahre bei gut gepflegten Tieren keine Seltenheit.
Gewicht (adult)
von 0.5 bis 3.5kg
ℹ️Variabel je nach Unterart und Geschlecht: T. h. hermanni (Italien/Frankreich) 0,5–1,5 kg; T. h. boettgeri (Balkan) bis 3–3,5 kg. Weibchen schwerer als Männchen.
Grösse (adult)
von 7 bis 28cm
ℹ️Panzerlänge: 7 cm beim Schlupf, 15–20 cm bei Adulten (hermanni) oder bis 25–28 cm (boettgeri).
Lebensweise
Mediterrane Trockenlebensräume, tagaktiv, bodenlebend
Körpertemperatur
Ektotherm / wechselwarm
Geschlechtsreife
von 8 bis 10Jahre
ℹ️8–10 Jahre je nach Wachstum und Bedingungen; Männchen reifen meist etwas früher.
Inkubation
von 70 bis 90Tage
ℹ️Inkubation 70–90 Tage bei 28–32 °C. Temperaturabhängige Geschlechtsbestimmung (TSD): >31 °C → Weibchen, <30 °C → Männchen.
Wurf-/Gelegegrösse
von 1 bis 5Eier
ℹ️1–5 Eier pro Gelege, 2–3 Gelege pro Jahr.
Lebensraum & Umgebung
Art der Unterkunft
Naturnahes Aussengehege während der gesamten warmen Saison (Mitte April bis Mitte Oktober je nach Klima). Terrarium nur für Jungtiere, Rekonvaleszenz oder Vor-/Nachwinterruhe. Süd-Exposition, geschützt vor Hauptwindrichtung.
Substrat & Einstreu
Draussen: Gartenerde/lichter Rasen + Schieferplatten zum Sonnen; einzelne Laubinseln zum Eingraben. Drinnen: Küchenpapier, Zeitungspapier oder Sandmat Exoterra®. Sand, feine Erde und verschluckbare Späne vermeiden (Darmverschluss).
Beleuchtung
Photoperiode : 10–12 Std./Tag während der Aktivität; in der Vorwinterruhe schrittweise verkürzen (8 → 6 Std. über 2–3 Wochen). Draussen reicht die natürliche Photoperiode.
UVB
- UVB-Bedarf : Drinnen lebensnotwendig (ohne UVB keine Vitamin-D3-Synthese und Calciumaufnahme); draussen natürlich (>20 °C, sonnig)
- Lampentyp : Metallhalogenidlampen mit externem Vorschaltgerät (UVB + Wärme kombiniert) oder T5 HO 12 % Röhre mit separatem Wärmespot
- Empfohlene Marken : X-ReptileReptile ExpertSolar RaptorArcadia
- Wechselintervall : 1×/Jahr (Metallhalogenid) — klassische UV-Röhren alle 6 Monate (UVB lassen vor dem sichtbaren Licht nach)
- UVB durchdringen weder Glas noch Plexiglas. Lampe im Terrarium platzieren, unter Schutzgitter. Direkte Sonne hinter einer Scheibe ist wirkungslos und kann gefährliche Überhitzung verursachen.
- Für die Gesundheit dieser Reptilien sind Metallhalogendampflampen die Referenz für die UV-Versorgung: Sie liefern ein starkes UVB-Spektrum, deutlich kräftiger als Leuchtstoffröhren oder Kompaktlampen, und optimieren so die Vitamin-D-Synthese und damit die Calciumaufnahme. Sie senken das Risiko einer metabolischen Knochenerkrankung und bieten zusätzlich intensives sichtbares Licht und eine gleichmässige Wärme, die die Aktivität fördern.
Sonnenplatz : Schieferplatte mit Südausrichtung (draussen) oder Metallhalogenidlampe in 30–40 cm Abstand (drinnen). 30–35 °C an der Panzeroberfläche erreichen.
Auslauf & Bewegung
Grosse Aussenfläche zum Weiden, Scharren, Sonnen und Verstecken. Schildkröten legen natürlicherweise mehrere Dutzend Meter pro Tag zurück.
Benötigte Ausstattung
- ✓ Stabile Umzäunung (Beton, behandeltes Holz oder Stein), Höhe ≥ 30 cm, 20–30 cm eingegraben gegen Flucht und grabende Prädatoren
- ✓ Abgerundete Ecken (Schildkröten klettern in Ecken)
- ✓ Überdachter Unterstand (Holzhütte, Frühbeet) bei Regen/Kälte
- ✓ Sonniger Sonnenplatz mit Schieferplatten/Steinen
- ✓ Schattige Bereiche unter Sträuchern (thermisches Refugium)
- ✓ Flache, breite Wasserstelle (5–8 cm), rauer Rand für den Ausstieg
- ✓ Essbare Bepflanzung: Löwenzahn, Klee, Gänsedistel, Wegerich, Gänseblümchen, Hibiskus, Malve
- ✓ Sepiaschulp ad libitum
- ✓ Eiablageplatz (feuchter Sand/Erde, halbsonnig) für Weibchen ab 7–8 Jahren
- ✓ Schutznetz gegen Rabenvögel für Jungtiere (Krähen/Elstern)
Zu vermeiden
- ⚠️ Feiner Sand / lose Erde drinnen (Darmverschluss)
- ⚠️ Heizsteine oder Heizplatten am Boden (Verbrennungen am Bauchpanzer)
- ⚠️ Ungeschützte UV-Lampen (Verbrennungsgefahr, zu kurzer Abstand)
- ⚠️ Glasscheibe zwischen Tier und UV (UVB durchdringen kein Glas)
- ⚠️ Harzhaltige Späne (Kiefer, Zeder) in grossen Mengen
- ⚠️ Gehege ohne permanenten Schatten (Hitzschlag)
- ⚠️ Tiefer Wassernapf (>10 cm ohne Rampe; Ertrinkungsgefahr)
Technische Parameter
| Wärmepunkt | 30–35 °C Sonnenplatz unter der Lampe; Temperatur an der Oberfläche des Basking-Spots gemessen. |
| Kühlpunkt | 18–25 °C Kühle und nächtliche Zone; verträgt nachts bis 15 °C ausserhalb der Winterruhe. |
| Luftfeuchtigkeit | 50–70 % Moderat; bei Jungtieren höher (60–70 %), um Panzerdeformation (Pyramidisierung) zu vermeiden. |
Gifte & Gefahren in der Umgebung
Tiere, die frei im Haus oder in der Voliere leben, können diesen alltäglichen Gefahren ausgesetzt sein. Hinweisliste — im Einzelfall prüfen.
Pflanzen
- 🌸 Lilie — Lilien aller Sorten (Sträusse, Zimmerpflanzen)
- 🌺 Oleander — Oleander (Garten, Balkon)
- 🌲 Eibe — Gemeine Eibe (Hecken, Gärten)
- 🔔 Maiglöckchen — Maiglöckchen (Sträusse, Garten)
- 🌸 Fingerhut — Roter Fingerhut, Zierpflanzen
- 🌺 Rhododendron / Azalee — Rhododendron, Azaleen (Garten, Zierpflanzen)
- 🌸 Kalanchoe — Kalanchoen (beliebte Zimmerpflanzen)
- 🌸 Wandelröschen — Wandelröschen (Zierpflanze, Balkon)
- 🌿 Rhabarberblätter — Rhabarberblätter (Garten)
- 🌳 Kirschlorbeer & Prunus-Arten — Kirschlorbeerhecken, Blätter/Kerne von Kirsche, Pflaume, Aprikose, Pfirsich (Schnittgut im Auslauf)
- 🌸 Stechapfel & Tollkirsche — Stechapfel (Engelstrompete), Tollkirsche, Schwarzer Nachtschatten, Maulwurfsgift — Wildkräuter und Zierpflanzen
- 🌿 Schierling — Gefleckter Schierling, Hundspetersilie, Wasserschierling — Grabenränder, feuchte Wiesen
- 🌸 Hortensie — Hortensien in Töpfen und Beeten (beliebte blaue/rosa Blüten)
- 🍁 Roter Ahorn (welke Blätter) — Welke Blätter des Roten Ahorns (Herbst, Schnitt); besonders giftig in getrocknetem Zustand
Chemikalien
- 🐌 Schneckenkorn (Metaldehyd) — Blaue Granulate gegen Schnecken in Gärten
- 🌱 Herbizide & Düngemittel — Glyphosat, Moosvernichter, Düngergranulat, Blutmehl, Hornmehl; frisch ausgebrachte Köder/Pulver auf Rasen
- 🪰 Haushaltsinsektizide — Fliegensprays, Mückendiffusoren, Wirkstoffplättchen, chemische Antiparasitika
- 🐀 Rodentizide (Rattengifte) — Antikoagulanzien (Warfarin, Brodifacoum), Bromethalin, Cholecalciferol, Strychnin; Granulat-/Blockköder oder vergiftete tote Nager
- 🧂 Salz & Salzwasser — Salzlecksteine, Wasser aus Enthärtern, Schmelzwasser von gesalzenen Strassen, salzige Reste (Wurst, Chips)
Ernährung
Empfohlene Verteilung
- Grünfutter & Wildkräuter 90 %
- Obst (gelegentlich) 10 %
Basisfutter 90 %
Strikter Pflanzenfresser: 90 % vielfältige faserreiche Pflanzen (Wildkräuter, Blüten, Blätter), max. 10 % Obst. Lebensmittel mit hohem Ca/P-Verhältnis bevorzugen (≥ 2). Natürliches Weiden im bepflanzten Gehege ist die ideale Basis. Keine tierischen Proteine.
🌿 Pflanzen & Kräuter
🥕 Gemüse
🥕 Gemüse & Grünfutter
Ergänzende Pflanzen und Blätter zur Abwechslung über das Weiden hinaus. Für Jungtiere oder schlecht kauende Tiere leicht zerkleinern.
⏰ Fütterungsfrequenz
- • Täglich in der Aktivsaison (April bis Oktober), Portion in 15–20 Min. fressbar
- • 1–2 Fastentage/Woche bei Adulten tolerierbar (verhindert Adipositas und Pyramidisierung)
- • Schrittweises Fasten ab September vor der Winterruhe
- • Calcium und Sepiaschulp ständig ad libitum
- • Frisches Wasser durchgehend verfügbar
Ergänzungen & Pellets
Pellets für pflanzenfressende Schildkröten als gelegentliche Ergänzung, immer eingeweicht (verhindert Wasserdefizite und verbessert das Kauen). Nicht als Hauptration.
- 🟤 Pellet — Réhydraté 5–10 min avant distribution
Leckerli 10 %
Obst und süssere Pflanzen in sehr kleiner Menge (max. 10 % der Ration). Vitamin-A-reiche Quellen bevorzugen.
Wasser & Hydratation
Frisches Wasser dauerhaft in einer breiten, flachen Schale, 1× täglich wechseln. Lauwarme Bäder (28–30 °C, 15–20 Min.) wöchentlich in der Aktivsaison, täglich vor/nach der Winterruhe. Schildkröten trinken vor allem beim Baden und durch saftiges Grünfutter.
Vitamin A
Unentbehrlich für Schleimhäute, Haut, Häutung und Sehkraft. Mangel: geschwollene Lider, Dysekdyse, Atemwegs-/Augeninfekte, schlechte Panzerqualität. Wird über reiches Grünfutter gedeckt: Löwenzahn (≈ 397 000 IE/kg TS), Brunnenkresse (≈ 422 000), Römersalat (≈ 274 000), Spinat (≈ 301 000), Endivie, Rübengrün, Grünkohl, Mango, Papaya, Aprikose, Melone.
Zu vermeiden
Giftige, stark unausgewogene Lebensmittel (ungünstiges Ca/P, zucker-/stärkereich) oder für den strikten Pflanzenfresser ungeeignet. Tierische Proteine vermeiden (Gicht, MBD, Leberschäden).
- 🥑 Avocado — Persine — cardiotoxique
- 🌿 Rhabarber — Acide oxalique
- 🍆 Aubergine — Solanine
- 🌼 Osterglocke — Toxique
- 🌸 Azalee — Grayanotoxines
- 🌷 Tulpe — Tuliposides
- ✨ Leuchtkäfer — Mortel
- 🍄 Pilz — Ca/P 0,06
- 🌽 Mais — Ca/P 0,1; amidon trop élevé
- 🥦 Rosenkohl — Ca/P 0,2; goitre
- 🍌 Banane — Trop sucré; Ca/P 0,3
- 🍅 Tomate — Acidité + Ca/P 0,4
- 🥬 Salat — Iceberg/ronde : trop d'eau, peu nutritive
- 🍑 Pfirsich — Trop sucré; Ca/P 0,4
- 🍎 Apfel — Trop sucré; Ca/P 0,5
- 🥒 Gurke — Concombre : trop d'eau, Ca/P 0,5
- 🥦 Blumenkohl — Goitre
- 🥕 Karotte — Trop sucré; Ca/P 0,6
- 🍇 Weintraube — Trop sucré
- 🍓 Erdbeere — Trop sucré
- 🍓 Himbeere — À limiter
- 🍗 Hähnchen — Pas de protéine animale
- 🥩 Fettes Fleisch — Pas de protéine animale
- 🧀 Milchprodukt — Inadapté
- 🍞 Brot — Inadapté
- 🍝 Nudeln — Inadapté
Verhalten & Sozialisation
Sozialleben
Eher Einzelgängerveranlagung; ein Männchen-Weibchen-Paar setzt das Weibchen ständiger Belästigung aus (Erschöpfung, Panzerwunden). 1 Männchen / 2–3 Weibchen oder reine Weibchengruppen bevorzugen. Männchen trennen (Revierkämpfe). Keine Vergesellschaftung mit anderen Schildkrötenarten (Infektionsrisiko).
Aktivitätszyklus: Tagaktiv. Aktivitätsspitze am Vormittag (Sonnen), dann Weiden; Mittagspause im Schatten; zweiter Höhepunkt am Nachmittag. Nachts Rückzug in den Unterstand oder leichtes Eingraben.
Schlaf & Ruhe : Kein langer durchgehender Schlaf in der Aktivsaison; nächtlicher Rückzug in den Unterstand. Die grosse Ruhe ist die Winterruhe (Oktober–März), getrennt vom täglichen Schlaf.
Beschäftigung
- Weidefläche mit essbarer Bepflanzung zum Suchen
- Laub-/Strohhaufen zum Eingraben
- Stümpfe und Steine zum Klettern (sicher)
- Wöchentliches lauwarmes Bad (28–30 °C)
- Verteilte Futtergabe, um Bewegung zu fördern
Futtersuche (Foraging)
Natürliches Weideverhalten: Die Schildkröte schreitet, weidet, scharrt und erkundet. Verteiltes Futter im bepflanzten Gehege ist die ideale Beschäftigung — viel sinnvoller als ein Haufen im Napf. Fördert Bewegung, Sonnenexposition und Verdauung.
Zeit in der Natur : Mehrere Stunden täglich Weiden und Erkunden (in der Aktivsaison)
Techniken :
- Löwenzahn, Klee, Wegerich und Hibiskus im Gehege pflanzen (spontanes Weiden)
- Geerntetes Grünfutter an verschiedenen Stellen verteilen statt anhäufen
- Lieblingsobst unter flachen Steinen verstecken
- Wöchentlich variieren: Verteilungszonen wechseln
- Lauwarmes Bad + Trinken: das Tier sucht auch sein Wasser
Gesundheit & Vorsorge
Vorsorgemedizin
Jährliche klinische Untersuchung (Panzer, Nasenlöcher, Augen, Maul, Plastron, Körperkondition), monatliches Wiegen (Verlaufskurve), Kotuntersuchung 1×/Jahr vor der Winterruhe, Mikrochip-Kennzeichnung ab ~10 cm Panzerlänge, Quarantäne ≥ 3 Monate für Neuzugänge (Mycoplasma-agassizii- und Herpesvirus-Screening bei Risikotieren). Jährlicher Wechsel der UVB-Lampen in Innenhaltung.
Impfungen
Keine Routineimpfungen bei der Griechischen Landschildkröte.
Chirurgie & Kastration
Häufige Eingriffe: Ovariohysterektomie bei Legenot (Eiretention), Panzerwundenbehandlung (Frakturen, Prädatorenwunden), Korrektur von Kloaken-/Penisprolaps, Abszessentfernung (insbesondere Ohrabszesse), Blasensteinentfernung (Uratsteine), Panzerreparatur mit Epoxidharz.
Klinische Warnsignale
Bei einem dieser Symptome ist eine rasche tierärztliche Versorgung essenziell. Kontaktieren Sie so bald wie möglich eine auf Exoten spezialisierte Tierärztin, die den Zustand Ihres Tieres beurteilen und die geeignete Diagnose stellen kann.
Häufige Erkrankungen
Metabolische Knochenkrankheit (MBD)
Ursache: Calcium- und/oder UVB-Mangel, zu viel Obst, unausgewogenes Ca/P, falsche Luftfeuchte bei Jungtieren
Symptome: Weicher/verformter Panzer (Pyramidisierung), weicher Schnabel, langsames Wachstum, spontane Frakturen, Beinschwäche
Vorbeugung: UVB 10–12 %, jährlich ersetzt, Calcium ad libitum, Grünfutter mit hohem Ca/P, altersgerechte Luftfeuchte
Schnupfen-Syndrom (RNS, Mycoplasma agassizii / Herpesvirus)
Ursache: Bakterien (Mycoplasma agassizii, Pasteurella) oder Viren (Chelonid-Herpesvirus) — oft durch Neuzugänge ohne Quarantäne eingeschleppt
Symptome: Seröser, später mukopurulenter Nasenausfluss, Pfeifgeräusche, Appetitverlust, Konjunktivitis, bei Herpesvirus mögliche Mortalität
Vorbeugung: Quarantäne ≥ 3 Monate für Neuzugänge, keine Vergesellschaftung verschiedener Schildkrötenarten, PCR-Screening auf Mycoplasma/Herpes bei Verdacht
Legenot / Eiretention
Ursache: Fehlender Eiablageplatz, Hypokalzämie, übergrosse Eier, Dehydratation, Stress
Symptome: Anorektisches Weibchen, > 1 Woche Grabaktivität ohne Eiablage, aufgetriebener Bauch, pinguinartiger Gang
Vorbeugung: Eiablagebehälter mit feuchtem Sand/Erde während der ganzen Saison zugänglich, ausreichend Calcium, Hydratation, jährliche Kontrolle des Weibchens
Panzerulzera / -mykose (Shell ulcerative disease)
Ursache: Zu feuchtes oder verschmutztes Substrat, unbehandelte Wunden, Parasitismus (Fliegen/Maden)
Symptome: Weisse/gelbe/braune Flecken am Bauch- oder Rückenpanzer, fortschreitende Erosion, Nässen, übler Geruch
Vorbeugung: Trockenes, sauberes Substrat, regelmässige Reinigung, wöchentliche Panzerkontrolle, antimykotische Behandlung bei ersten Zeichen
Innerer Parasitenbefall (Oxyuren, Spulwürmer, Flagellaten)
Ursache: Wiederansteckung über Kot, mangelhafte Hygiene, Stress
Symptome: Weicher Kot oder Durchfall, Gewichtsverlust, Wachstumsverzögerung, sichtbare Parasiten im Kot
Vorbeugung: Jährliche Kotuntersuchung (insbesondere vor der Winterruhe), gezielte Entwurmung, regelmässig Kot entfernen
Blasensteine (Uratsteine)
Ursache: Chronische Dehydratation, Protein-Überschuss, zu trockene Fütterung
Symptome: Anorexie, Rückwärtsgang, Stöhnen, Verweigerung des Bads, breiige Urinabsätze
Vorbeugung: Wöchentliche Bäder, saftiges Grünfutter, keine tierischen Proteine, immer Wasser zur Verfügung
Panzer-Pyramidisierung
Ursache: Zu schnelles Wachstum, zu niedrige Luftfeuchte bei Jungtieren, Protein-Überschuss, Bewegungsmangel
Symptome: Rückenschilder dauerhaft kegelförmig erhöht (irreversible Deformation)
Vorbeugung: Luftfeuchte 60–70 % bei Jungtieren, sehr faserreiche Ernährung, tägliche Bewegung, Aussenhaltung sobald möglich
Ohrabszess
Ursache: Aufsteigend aus der Eustachischen Röhre (schlechte Hygiene, Hypovitaminose A, kalte/feuchte Umgebung)
Symptome: Feste, einseitige Schwellung am Trommelfell (käsig), oft schmerzlos, manchmal Anorexie
Vorbeugung: Korrekte Luftfeuchte, ausreichend Vitamin A, Umgebungshygiene; chirurgische Drainage bei Diagnose
Winterruhe & Ruhephase
Wichtig
Winterruhe UNVERZICHTBAR für einen gesunden Lebenszyklus (reguliert Fortpflanzung und Stoffwechsel). 1. Jahr: lieber 4–6 Wochen Mini-Winterruhe in der Kiste bei 8–10 °C; 2. Jahr: 2 Monate; ab 3. Jahr: voller Winter 3–5 Monate. Nie überwintern: Jungtier < 100 g, krankes oder trächtiges Tier, > 5 % Gewichtsverlust in der Vorbereitung, oder Darm nicht entleert.
Zeitraum
Oktober bis März/April je nach Breitengrad. Echte Winterruhe von 3–5 Monaten bei gesunden Adulten.
Temperatur
5–10 °C
Methode
Weinkeller oder kühler, trockener Raum, mit Styropor isolierte Kiste von mindestens 30 cm, trockenes Substrat (Stroh/Heu/Laub/Zeitungspapier), kleiner Wasserbehälter für leichte Luftfeuchte. Nagerschutz (feines Drahtgitter). Referenzwiegen vor dem Eingang.
Schritt-für-Schritt-Plan
- 1
Mitte August: energiereiche Fütterung (Feigen, Melone, Äpfel) und Vitamin-A-reich (Karotte, Kohl, Endivie, Löwenzahn) — Reserven aufbauen.
- 2
Anfang September: tierärztliche Untersuchung + Entwurmung nach Kotanalyse. Kranke, trächtige oder abgemagerte Tiere nicht überwintern.
- 3
Mitte September: zweite Entwurmung bei Befall; schrittweises Fasten beginnen (Darm muss bei Eingang leer sein).
- 4
Aktivitätsabnahme (Ende September/Anfang Oktober): tägliche Bäder 15 Min. bei 28–30 °C zur Hydratation und Darmentleerung; Raumtemperatur schrittweise senken.
- 5
Beginn der Winterruhe: stabile T° 5–10 °C, ruhiger, dunkler Raum, isolierte Kiste, trockenes Substrat, kleine Wasserschale, Referenzwiegen, Nagerschutz.
- 6
Während der Winterruhe: monatliche Kontrolle von Gewicht (Verlust ≤ 1 %/Monat), T° und Luftfeuchte. Keine wiederholten Aufwachphasen (Warnsignal).
- 7
März/April: schrittweises Aufwachen. T° +3 °C alle 2 Tage, Lichtexposition, lauwarme Bäder 30 °C täglich 15 Min., Fütterung stufenweise (Wasser und kleine Grünfutterportionen).
- 8
T+7 nach Aufwachen: Tierarzt bei anhaltender Futterverweigerung, fehlendem Urin, Gewichtsverlust > 10 % oder ausgeprägter Apathie.
Schlüsselindikator für die Mineralbilanz eines Futtermittels, besonders bei Reptilien (Schildkröten, Echsen): ein calciumbetontes Verhältnis stützt Knochen und Panzer und beugt metabolischer Knochenkrankheit vor. Bei pflanzenfressenden Säugetieren wird die Mineralbilanz anders geregelt (Heu, Ergänzungen, UV-Licht) — diese Richtwerte gelten dort nicht 1:1.
Bei Insekten (Grillen, Schaben…) kann ein Calciumpulver bei der Fütterung ein ungünstiges Verhältnis ausgleichen.
- ≥ 2 — Angemessenes Gleichgewicht
- 1–2 — Mit Mass
- < 1 — Vermeiden / nur gelegentlich
Dieses Futter überschreitet die Schwelle von 50 000 IE/kg Trockensubstanz und gilt damit als gute Vitamin-A-Quelle.
Gehalt : — IE/kg TS
Essenziell für Schleimhäute, Haut, Gefieder und Sehkraft. Mangel: Atemwegsinfekte, Häutungsprobleme, Augenleiden, Legerückgang.