Kaninchen
Oryctolagus cuniculus
Das Kaninchen ist ein geselliges Tier und reagiert sehr empfindlich auf Veränderungen seiner Umgebung. Es verträgt Einsamkeit schlecht. Es braucht eine stabile Routine (Fütterung/Pflege), viel Platz zur Bewegung und Verstecke für Sicherheit. Plötzliche Veränderungen (Lärm, Gerüche, Standortwechsel) bedeuten Stress.
Überblick & Kennzahlen
Vorschriften
Heimtier
ℹ️TSchV: Gruppen-/Paarhaltung obligatorisch; Mindestflächen, Unterschlüpfe, Rückzugsorte; täglicher Auslauf. Bestände: gesundheitliche/Markierungspflichten je nach Grösse. Fachkunde im Gewerbe.
Lebenserwartung
von 10 bis 15Jahre
Gewicht (adult)
von 1 bis 10kg
ℹ️1 kg (Zwerg) bis 10 kg (Riese)
Lebensweise
Tagaktiv
Körpertemperatur
von 38.5 bis 39.5°C
Geschlechtsreife
von 4 bis 7Monate
ℹ️6–7 Monate (Männchen), 4–6 Monate (Weibchen)
Trächtigkeit
von 28 bis 34Tage
Wurf-/Gelegegrösse
von 2 bis 6
Lebensraum & Umgebung
Art der Unterkunft
Freilauf, Teilfreilauf, Gehege oder grosser Käfig mit regelmässigem Auslauf, vor Zugluft geschützt
Substrat & Einstreu
Handtücher, DryBed®/VetBed®, Toftbo®-Matten, Yogamatte oder Decke. Pflanzliche Einstreu: Nullodor® (Tannenholz), Hanf, Recyclingpapier. Zeder und Kiefer vermeiden.
Auslauf & Bewegung
Mindestens 2–3 Stunden täglich, um die Verdauung anzuregen und Übergewicht vorzubeugen
Benötigte Ausstattung
- ✓ Heuraufe
- ✓ Schwerer Futternapf
- ✓ Schwerer Wassernapf (täglich erneuern). Kalk-/calciumarmes Wasser: Risiko von Harngries und Harnsteinen.
- ✓ Versteck (Häuschen, Karton, Tunnel)
Ernährung
Empfohlene Verteilung
- Heu & Gras (Grundnahrung) 80 %
- Gemüse & Blattgemüse 20 %
Basisfutter
Strikter Pflanzenfresser. Heu/Gras zur freien Verfügung (80 % der Ration). Sorgt für den Zahnabrieb und eine gute Verdaulichkeit.
🌿 Pflanzen & Kräuter
🥕 Gemüse & Grünfutter
100 g/kg/Tag, mindestens 3 verschiedene pro Tag. Bevorzugen Sie grünes Blattgemüse.
Ergänzungen & Pellets
Pellets (nur uniforme Form — niemals Körnermischungen / Müsli) sollten in kleinen Mengen gegeben werden: maximal 20 g/kg Körpergewicht pro Tag. Für ein 2 kg schweres Kaninchen entspricht das etwa einem Esslöffel pro Tag. Für ein Kaninchen, das bereits Heu nach Belieben und abwechslungsreiches Frischgemüse frisst, sind Pellets nicht zwingend nötig. Zu viel davon täglich begünstigt mehrere Probleme: - Zähne: Pellets sind zu weich, um die Zähne richtig abzunutzen, was zu Zahnfehlstellungen führen kann. - Gewicht: ihre kalorische Dichte begünstigt Übergewicht bis hin zu Adipositas. - Verdauung: Ungleichgewicht der Darmflora, verlangsamter Transit, Durchfall. Kurz: Heu und Gemüse zuerst, Pellets als diskrete Ergänzung wenn nötig.
- 🟤 Pellets
Leckerli
Nicht essenziell, reich an Kohlenhydraten und Zucker. Gelten als Leckerbissen. Können zur Bereicherung, in kleinen Mengen, 1- bis 2-mal pro Woche gegeben werden.
Zu vermeiden
- 🫘 Soja
- 🥑 Avocado
- 🥬 Weißkohl
- 🧅 Zwiebel
- 🧄 Knoblauch
- 🌿 Sauerampfer
- 🥔 Kartoffel
- 🍅 Tomatenblätter
- 🧅 Lauch
- 🌿 Rhabarber
- 🍊 Schalen
- 🍞 Brot
- 🍬 Süßigkeiten
- 🍫 Schokolade
- 🥣 Knabberstangen
- 🍇 Trockenfrüchte
Verhalten & Sozialisation
Sozialleben
Gesellig. Nicht mit Meerschweinchen vergesellschaften (Bordetella-Risiko, unterschiedliche Bedürfnisse). Ideal als kompatibles Paar/Gruppe; Kastration empfohlen zur Reduktion von Konflikten und Markieren. Langsame Zusammenführung auf neutralem Boden unter Aufsicht.
Aktivitätszyklus: Dämmerungsaktiv/variabel tagaktiv: Aktivitätsspitzen morgens und abends. Mittags Ruhe einplanen. Täglich sicheren Auslauf sowie Such- und Knabberbeschäftigung anbieten, um Langeweile zu vermeiden.
Beschäftigung
- Kratzteppich
- Artgerechtes Spielzeug
- Tunnel
- Kartons
Gesundheit & Vorsorge
Vorsorgemedizin
Entwurmung bei Symptomen (Kotuntersuchung empfohlen). Encephalitozoonose-Kontrolle (Bluttest).
Impfungen
Hämorrhagische Kaninchenseuche (RHD) verläuft tödlich. Impfung empfohlen alle 6 Monate (Aussenhaltung) oder 1 Jahr (Innenhaltung). Myxomatose: Impfstoff in der Schweiz nicht zugelassen.
Chirurgie & Kastration
Sterilisation (5 Monate) / Kastration (4–5 Monate). Beugt Gebärmuttertumoren (50–80 % der Weibchen über 4 Jahre), Aggressivität und Markierverhalten vor.
Klinische Warnsignale
Bei einem dieser Symptome ist eine rasche tierärztliche Versorgung essenziell. Kontaktieren Sie so bald wie möglich eine auf Exoten spezialisierte Tierärztin, die den Zustand Ihres Tieres beurteilen und die geeignete Diagnose stellen kann.
Häufige Erkrankungen
Zahnfehlstellungen (Schneide- und Backenzähne)
Symptome: Selektive Anorexie, vermehrter Speichelfluss, Zähneknirschen, Gewichtsverlust, Tränenfluss
Vorbeugung: Heu zur freien Verfügung, faserreiches Blattgemüse, Zahnkontrolle 1–2×/Jahr; Pellets nicht zur freien Verfügung
Magen-Darm-Stase (Ileus)
Symptome: Verminderter/ausbleibender Appetit und Kotabsatz, Bauchschmerzen, eingezogene Körperhaltung
Vorbeugung: Sehr faserreiche Ration (Heu), Flüssigkeitszufuhr, Schmerz- und Stressmanagement; bei Anorexie >12 h rasch konsultieren
Obere Atemwegserkrankungen («Schnupfen»)
Symptome: Niesen, Nasenausfluss, Bindehautentzündung, abnormale Atemgeräusche
Vorbeugung: Staubarme Einstreu, gute Belüftung, Stressreduktion; Zahnabklärung bei chronischen Symptomen
Pododermatitis (Sohlengeschwüre)
Symptome: Rötung/Schwielen/Geschwüre an den Sprunggelenken, Lahmheit, Schmerz
Vorbeugung: Weiche, trockene Untergründe, saubere Einstreu, Gewichtskontrolle, gepolsterte Ruhezonen
Harnwegsstörungen (Kalziumschlamm, Zystitis, Steine)
Symptome: Dickflüssiger/kreidiger Urin, Hämaturie, Strangurie, Verschmutzung im Dammbereich
Vorbeugung: Ständiger Zugang zu Wasser, Aktivität, ausgewogene Ernährung (Luzerne beim Adulttier begrenzen), Gewichtskontrolle
Hauterkrankungen und Ektoparasiten (Cheyletiella, Flöhe, Myiasis im Sommer)
Symptome: Schuppen/Juckreiz, alopezische Stellen; im Sommer mögliche befallene Wunden
Vorbeugung: Fellhygiene, trockene Einstreu, regelmässige Kontrolle (täglich im Sommer), kaninchengerechte Antiparasitika